Hessisches Puppenmuseum
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Kokeshi - Japanische Holzpuppen (5. Juli bis 25. Oktober 1998)


Frankfurter Allgemeine Zeitung 09.07.1998


Gemalte Miniaturen auf Holz

Hessisches Puppenmuseum zeigt Kokeshi-Puppen aus Japan
In Heimarbeit gefertigt

ric. HANAU. Mit gleichmäßig gerundetem Korpus, schematisch wirkender Bemalung und einem meist eiförmigen Kopf wirken die einzelnen Figuren wie Fließbandprodukte. Tatsächlich sind die Kokeshi-Puppen aus Japan, die den Kegelpuppen aus Deutschland, aber auch Matrioschkas aus Rußland, Holzdocken aus Böhmen oder Bangbangren aus China in Machart und Aussehen vergleichbar sind, durchaus individuelle Erzeugnisse.

Die gedrechselten Holzfiguren, denen die neue Sonderschau im Hessischen Puppenmuseum in Hanau-Wilhelmsbad gewidmet ist, haben ihre Heimat in der Region Tohoku im Norden der japanischen Hauptinsel Honshu. Seit zwei Jahrhunderten werden sie in der armen, aber waldreichen Gegend in Heimarbeit gefertigt. Eine Vitrine in der Schau demonstriert die Herstellungsphasen vom rohen Ast- oder Stammstück aus Mizuki, wie das Hartriegelholz in Japan heißt. Daraus wird ein Vierkantstück gesägt und zylindrisch gedreht, die endgültige Form gedrechselt, bemalt und mit Reisstroh poliert.

Trotz der Beschränkung auf diese Grundform haben die Handwerker es verstanden, mit einer Vielzahl von Nuancen ihre Figuren individuell zu prägen. Fast 20 Variationen sind zu sehen - vom oben zugespitzten über den in der Mitte verjüngten Zylinder bis zum abgestuften Aufbau einer ringförmigen Anatomie. Die Basisformen sind festgelegt, sie sind als Yamagata-, Tsugaru- oder Zao-kei bei den Herstellern bekannt. Die Köpfe sind teils als Kugel, teils als abgerundete Walze gestaltet, manchmal auch oben abgeflacht. Sie werden von kegelförmigen Hüten, von Kuppeln oder einem herausgedrechselten Dutt gekrönt. Babypuppen sind oft als runde Wulst mit herauswachsendem Kopf geformt und erinnern an die Unterbringung der Kleinkinder in Reisstrohkörben während der Feldarbeit der Eltern.

Die Bemalung reicht von Ringmustern bis zur Hervorhebung von Taillen-, Schulter- oder Brustpartien. Es gibt Frontbemalungen mit Blumenornamenten, abstrakten Mustern oder Andeutungen von Kimonofalten. Die Kopfbemalung reicht von liebevollen Frisurdetails mit Fransen und Schleifen bis zur Andeutung von Augen, Mund, Nase und Haaren, die mal flüchtig wie eine schattierte Skizze, mal kantig wie ein Holzschnitt wirken.

Oft lassen Zusammenstellungen von blauen, gelben, grünen und roten Ringen nur eine auffällige Dekoration erkennen. Aber es gibt auch subtile Tuschetöne, für die die Meister stets ihre Farben nach überlieferten Rezepten mischen. Mancher Avantgardist beläßt die polierte Rinde als natürliche Garderobe. Andere tupfen detailverliebt die Komponenten vorgeschriebener Trachten auf und nutzen den Holzkörper wie eine runde Endlosleinwand. Unbemalte Figuren, oft mit einem winzigen Kugelkopf ausgestattet, sind wohl Kleinkindern zum Nuckeln zugedacht.

Die Puppen stehen nicht als Spielzeug isoliert in ihrer Kultur, sie geben Trachten und Rollen wieder. Und sie haben die Literatur inspiriert. Das Puppenmuseum zeigt Gedichte, Lieder und Märchen, die für die Kokeshi-Figuren geschrieben wurden. Der Name, von Schlafmohn und "klein" abgeleitet, ist wohl eine Anspielung auf die beruhigende Wirkung für Kinder. Die Ausstellung Kokeshi-Puppen im Hessischen Puppenmuseum in Hanau-Wilhelmsbad, Parkpromenade, ist bis zum 25. Oktober dienstags bis sonntags von 10 bis 12 und 14 bis 17 Uhr geöffnet.

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Öffnungszeiten: Di - So, jeweils 10-12 und 14-17 Uhr


Hessisches Puppenmuseum, Parkpromenade 4, 63454 Hanau-Wilhelmsbad, Tel. 06181 / 86212, Fax 06181 / 840076, e-mail: hesspuppenmuseum@aol.com



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