Hessisches
Puppenmuseum
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Märchenpuppen aus Familienbesitz (26. Mai bis 9. August 1998; während der Brüder Grimm-Märchenfestspiele)
Großmutters Dutt ist aus Kunstpelz
Hessisches Puppenmuseum zeigt Handspielpuppen aus Dresdner Produktion
ric. HANAU. Sie tragen das Herkunftszeichen "Made in GDR" (German Democratic Republic) und ein stilisiertes "i" mit Sternchen als Markensignet, sie verkörpern die vertrauten Figuren der Märchen und Kindergeschichten, vom Dornröschen über Witwe Bolte bis hin zum Kasperle. Und sie alle tragen bodenlange Gewändern aus Filz, gedacht als Handschuh für die Spieler im Puppentheater.
Es gibt noch mehr Gemeinsamkeiten, an denen der Kenner oder der Sammler die Künstlerpuppen aus Dresdner Herstellung, aus der Werkstatt von Curt Meissner erkennt. Die nach Entwürfen der Puppenkünstlerin Lieselotte Funke entstandenen Kreationen zeichnen sich durch rosa Hände im Fäustlingsschnitt und rosige Gesichter mit dunkel herausgehobenen Bäckchen aus. In der Kopfmitte zieht sich die nach innen gewendete Nase über Kinn, Mund und Stirn. Die Haare vom brav gescheitelten Bubikopf bis zur verwegenen Räubermähne bestehen meist aus Kunstpelz. Dazu sind charakteristisch hervortretende Augen aus Glasperlen eingesetzt, darüber sind Augenbrauen als kühne Striche, darunter Nasenlöcher aufgenäht, zum Teil zweifarbig konturiert. Lippen wurden entweder im zarten Schwung oder als grober Wulst ausgeführt. Der 1947/48 gegründete Betrieb zahlte seinen Näherinnen für einen Puppenkopf 1,65 bis zwei Mark, in der Bundesrepublik wurden die mit Filzrumpf und Stoffgarderobe komplettierten Figuren für 30 Westmark verkauft. So erfüllten sie für die ehemalige DDR den Zweck des Devisenbringers. Kindern gaben sie die Möglichkeit der spielerischen Umsetzung von Geschichten mit Helden und Feinde, die nicht durch kreative oder gar avantgardistische Ambitionen verfremdet oder entfremdet waren. Wer die Figuren, 60 Stück aus Privatbesitz, im Hessischen Puppenmuseum in Hanau aus der Hocke begutachtet, begegnet naiven Bildern aus einem traditionellen Erfahrungsschatz. Figuren mit Zopf (Gretel) oder Dutt (fromme Helene), mit Kopftuch oder Seppelhut sind auf liebenswerte Weise altmodisch gestaltet. In dem Museum, das traditionell mit einer themenbezogenen Ausstellung die Märchenfestspiele in Hanau begleitet, wurden die Puppen zu Gruppen zusammengestellt, wie sie auch in Erzählungen vorkommen. Rotkäppchen hat es da nicht nur mit der Großmutter und dem Förster zu tun, auch ihre Mutter im passend roten Kopftuch steht dabei. Den fehlenden Wolf hat das Museum in dieser Szene mit einem Exemplar von Steiff aus eigenen Beständen ersetzt. Auch sonst half der Griff ins Magazin bei der Komplettierung dekorativer Arrangements. Max und Moritz wurden auf einer hölzernen Miniatur-Schulbank plaziert, so daß Lehrer Lämpel vorerst in Sicherheit bleibt. Zwei Räuber sind mit einem geschnitzten Wagen aus der Zeit um 1920 und einer Ladung prall gefüllter Säcke beschäftigt. Und Dornröschen samt Prinz, königlichen Eltern, Hofstaat und böser Fee ist mit Bühnendekorationen aus einem alten Puppentheater gerahmt. Der Rest der Sammlung turnt auf einem hölzernen Spielschiff - Pfarrer, Ärzte, Matrosen und Cowboy, Chinese, Eskimo, Türke, Araber und Indianer, Struwwelpeter, Till Eulenspiegel und ein Krokodil mit zwei Reihen zackiger Holzzähne verkörpern in diesem Arrangement die ganze Bandbreite der Aktionen, die mit dem Handpuppenspiel abgedeckt wurden. Die Ausstellung ist bis zum 9. August täglich außer montags zu sehen.
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