Hessisches Puppenmuseum
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Schlange, Panther, Vogel, Pferd - mechanische Spielfiguren von Hans Happ (16. Mai bis 25. Juli 2004)


Frankfurter Allgemeine Zeitung 18.05.2004


Der Künstler als Konstrukteur
Gliederfiguren, Handpuppen und ein Schaukelpferd von Hans Happ im Puppenmuseum

HANAU. Dem Äußeren der Menschen oder besser der Kinder sind Puppen vorzugsweise nachgebildet worden, idealerweise haben sie auch die Beweglichkeit der lebenden Vorbilder. Der aus Kempten stammende Frankfurter Maler Hans Happ (1899 bis 1992) hat bei seinen für den Hausgebrauch geschaffenen Figuren beide Aspekte gleichwertig gepflegt und sich dabei als Künstler wie als Konstrukteur empfohlen. Jetzt sind seine grafisch wie mechanisch gleichermaßen imponierenden Arbeiten im Hessischen Puppenmuseum zu sehen.

Die Kreationen - beginnend mit einem Drachenmodell aus dem Jahr 1934 - offenbaren gestalterische Akribie wie anatomisches Einfühlungsvermögen. Die Echse, eine der ältesten erhaltenen Arbeiten, ist mit ihrer Mischung aus Skelett und Vollkörperfigur jedenfalls so naturalistisch und "lebensfähig" aufgebaut, als hätte es dafür ein authentisches Vorbild gegeben. Die massigen Birnholzscheiben, die sich nach hinten zu einer eleganten Schwanzspitze verjüngen und nach vorn von einer überdimensionalen Klappmaulphantasie dominiert werden, zeigen alle Attribute eines lebensfähigen Organismus.

Das gilt auch für das viele Jahre später entstandene Eisentier, ein offener Rumpf mit Aufziehspule, Kopfrahmen und Schwanzansatz. Auf vier gekrümmten Drahtbeinen stehend, eignet es sich als Tragegerüst für einen Dackel, eine Eidechse oder ein anderes vergleichbar dimensioniertes Tier.

Bei einem aus Pappe geschnittenen Segelboot mit einem Mädchen konzentrierte sich der Kulturpreisträger der Stadt Frankfurt (1934 und 1941) dagegen ganz auf die Konturen und schuf einen dreidimensionalen Grundriß, wie er im Modedesign zum Einsatz kam.

Optisch besonders eindrucksvoll sind die Theaterpuppen - die knorzigen Handpuppen mit Papiermachéköpfen ebenso wie die fragilen Marionetten. Die Handpuppen sind als grob stilisierte Charakterköpfe gelungen. Die einzig erhaltene Fadenpuppe, die an einem doppelten, aber einfach angelegten Führungskreuz hängt, wirkt mit zierlichen Gesichtszügen und zartgliedrigen Fingern als jenseitige Erscheinung; der durchsichtige blaue Seidenchiffon öffnet den Blick auf eine kantige wie funktionale Körperkonstruktion.

Happs bevorzugte Objekte aber waren die Pferde mit ihrer edlen und jeden Zeichner herausfordernden Erscheinung. Seit den dreißiger Jahren baute Happ Modelle, deren naturalistischer Aufbau durch konstruktivistische Elemente konturiert wird. Sie sind eingespannt in einachsige Wagen, deren zeitlose Schlichtheit mit dokumentarischer Detailtreue festgehalten ist. Menschliches Begleitpersonal dagegen erscheint in Formen und Oberflächen geglättet und abstrahiert, die Mimik zeichnerisch eingeschnitten.

Später konstruierte er Spielpferde von einem halben Meter Höhe mit Beinen aus Holz und Skeletten aus Aluminium, die einem Kind den bequem abgefederten Transport im Vier-Takt-Schritt ermöglichten. Sie blieben Unikate in der Entwicklung des mechanischen Spielzeugs; eine kleine Version aus Plastik mit Antrieb aus Zahnrädern ging dagegen in den fünfziger Jahren bei der Firma Hausser im fränkischen Neustadt in Serie.

Happ verband seine anatomische Beobachtungsgabe auch mit spielerischer Erfinderlust, wenn er Panther und Esel zu Salz- und Zuckermühlen umfunktionierte und den Metallschwänzen als Kurbel eine neue Rolle in der Evolution zuwies. Seine Arbeit, die in der Ausstellung auch mit einer nostalgisch anmutenden Werkstattinstallation inszeniert wird, wirkt kunstvoll und doch lebensnah, niemals künstlich und weltfremd wie die meist von den Liebhabern bevorzugten Sammlerpuppen.

JÜRGEN RICHTER

Die Ausstellung ist bis zum 25. Juli täglich außer montags von 10 bis 12 und von 14 bis 17 Uhr geöffnet.

Alle Rechte vorbehalten. (c) F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main


Öffnungszeiten: Di - So, jeweils 10-12 und 14-17 Uhr


Hessisches Puppenmuseum, Parkpromenade 4, 63454 Hanau-Wilhelmsbad, Tel. 06181 / 86212, Fax 06181 / 840076, e-mail: hesspuppenmuseum@aol.com



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