Hessisches
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Rainer Banges Familie Kleinschmidt zu Besuch im Puppenmuseum (15. September bis 11. Oktober 1998)
Rainer Banges Kabarett-Familie Kleinschmidt
Modellierte Figuren von Elvira Petry im Puppenmuseum
Frisur mit breitem Scheitel
ric. HANAU. Sie heißen Anton oder Willy, Ernst oder Norbert und haben alle eines gemeinsam: den vom grauen Haarkranz gerahmten Kahlkopf. Die Frisur mit dem breiten Scheitel ist das Markenzeichen des Kabarettisten Rainer Bange, der das Spektrum der Alltagstypen ohne jede Verkleidung und nur mit dem Wechsel der Tonlage präsentiert, in Bürgerhäusern, in der Alten Oper und regelmäßig im Hessischen Rundfunk. Die Mühlheimer Puppendesignerin Elvira Petry hat die markantesten Typen nach Banges Konterfei gestaltet und zeigt sie bis zum 11. Oktober in einer Fensterausstellung des Hessischen Puppenmuseums in Hanau.
Fixiert auf ein Gesicht, zeigen die aus der Modelliermasse Cernit geformten Figuren ein breites Ausdrucksspektrum. Die Lach- und Sorgenfalten reichen teils achtunggebietend über die Stirn hinaus, teils griesgrämig bis zum Kragenknopf. Die Augen verlieren sich meist teilnahmslos in der Ferne, Tränensäcke geben ihnen gelegentlich einen trübsinnigen Ausdruck. Zu allen Figuren gibt es kleine biographische Legenden, sie reichen vom Banker Rainer Maria Müller bis zum Kellner Ernst aus dem Anglerheim. Der Fahrer, der als Freizeitlyriker und Karnevalist mit Narrenkappe und verwegener Schleife professionelle Lustigkeit verkörpert, hat den mißmutigsten Gesichtsausdruck. Nur Otto, mit der Zigarre im Mundwinkel und der Apfelweinflasche in der Faust, ist als Lebenskünstler ausgewiesen. Er habe die von ihm unter dem gemeinsamen Familiennamen Kleinschmidt vorgestellten Figuren während seiner jahrelangen Arbeit als Architekt kennengelernt, versicherte Bange bei der Ausstellungseröffnung im Museum. Der erste war Karl Kleinschmidt, ein Maurerpolier, dessen simple Alltagsphilosophie sich eingeprägt hat. Auch den anderen Typen - der kaufmännische Angestellte mit den dicken Stiften in den Kitteltaschen oder der Friseur mit den verwegen zur Seite gefönten Haarsträhnen - traut man unnachahmliche Ansichten zu Gott und der Welt zu. Allen gemeinsam ist - außer der dünnen Drahtbrille ihres geistigen Vaters - der eigenwillige Geschmack, der von Saunalatschen über das schwere Goldkettchen und dicken Brillantringen bis zu lila gestreiften Krawatten oder einer karierten Schiebermütze reicht. Diese Accessoires, auch die überdimensionale Kunstledertasche von Käthe, der einzigen Frau des Panoptikums, verraten die Ansichten dieser mehr von Sonderangeboten als von Karrierechancen geprägten Gesellschaft Banges. Das Hessische Puppenmuseum in Hanau-Wilhelmsbad, Parkpromenade 4, ist dienstags bis sonntags von 10 bis 12 und 14 bis 17 Uhr geöffnet.
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