Hessisches Puppenmuseum
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Frankfurter Allgemeine Zeitung 26.07.2002


Miniaturen mit Zacken
Briefmarken-Entwürfe von de Vries im Puppenmuseum

ric. HANAU. Ein zotteliger Esel, darüber ein geduckter Hund, eine fauchende Katze und obenauf mit elegant gebogenen Federn ein Hahn - das aus dem Märchen von den "Bremer Stadtmusikanten" bekannte Tier-Quartett wurde in grauen, braunen, grünen und gelben Pastelltönen und roten Signalelementen von Erna de Vries für die Deutsche Post entworfen. Die naturalistisch gestrichelte Illustration stand mit vielen anderen, meist abstrahierenden Entwürfen im Wettbewerb, die Wahl fiel unter den Mitgliedern des Kunstbeirats der Post schließlich auf eine filigran gebrochene Silhouette der Stadtmusikanten von Elisabeth Janota-Bzowski.

Bei anderen Motiven, die vieltausendfach als Briefmarken rund um die Welt gingen, hatte die früher in Frankfurt arbeitende und jetzt in Montreal lebende Künstlerin Erna de Vries mehr Erfolg. Ein kleiner Ausschnitt aus ihrem Werk ist zur Zeit in der Halle des Hessischen Puppenmuseums zu bewundern.

De Vries setzte ihre Figuren in mehreren Stilrichtungen in Szene, dominierend aber sind Kompositionen aus flächigen Farbelementen. Die 1970 auf einer Wohlfahrtsmarke verewigte Marionette erscheint als grüne Gestalt von den Zehen bis zur Bartspitze, die mit bunten Ringeln über Leib und Gliedmaßen aufgelockert ist. Der Postbote auf der Kindermarke von 1996 erinnert an die fließenden und leuchtenden Linien eines Hundertwasser: Kreise, Bögen und Streifen sind zu einer vielfarbigen Landschaft gefügt, und als realistische Accessoires sind Posthorn, Brief und Rollerblades an den Füßen in das Phantasiekostüm eingefügt.

Zwei Jahre später hatte de Vries bei der Gestaltung der Jugendmarken bekannte Figuren, die Stars der Fernsehserien "Sendung mit der Maus", "Käpt'n Blaubär", "Sandmännchen" und "Biene Maja", in ihre Bilder einzuarbeiten. Auch bei einer Europamarken-Serie, die die Entdeckung Amerikas zum Thema hatte, griff die Gestalterin auf vorhandene Illustrationen zurück. Der Titelholzschnitt zu den Briefen von Kolumbus aus dem Jahr 1493, der drei Koggen vor einem schwarzen Felsen voller nackter Eingeborener und im Vordergrund den König von Spanien zeigt, erschien auf der Marke stark vereinfacht, aber farbig aufgelockert.

Die Ausstellung, die noch bis Mittwoch, 21. August, zu sehen ist, wertet die Miniaturen mit Zacken zu Kunstwerken mit persönlicher Note auf. Womöglich kann sie Sammler dazu animieren, in ihren Alben nach den "Handschriften" der Entwerfer zu forschen.

Die Ausstellung im Hanauer Puppenmuseum kann täglich außer montags von 10 bis 12 und von 14 bis 17 Uhr besucht werden.

Alle Rechte vorbehalten. (c) F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main


Öffnungszeiten: Di - So, jeweils 10-12 und 14-17 Uhr


Hessisches Puppenmuseum, Parkpromenade 4, 63454 Hanau-Wilhelmsbad, Tel. 06181 / 86212, Fax 06181 / 840076, e-mail: hesspuppenmuseum@aol.com



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