Hessisches Puppenmuseum
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Wir fahren mit der Eisenbahn... (23. Februar bis 29. Juni 2003)


Frankfurter Rundschau Zeitung 24.04.2003


Verrückt nach Märklin, Spur II

In Paris entdeckte Rainer Schwalm seine zweite Liebe zur Eisenbahn - jetzt zeigt er seine Schätze erstmals öffentlich

Von Ute Vetter

BAD HOMBURG. Sein längst zur Passion gewordenes Faible für altes Eisenbahn-Spielzeug verdankt der Architekt Rainer Schwalm, Jahrgang 1940, seinen Großeltern. Sie brachten ihm, als er gerade acht Jahre alt war, vom im Zweiten Weltkrieg gefallenen Sohn eines befreundeten Ehepaares immer wieder einzelne Teile einer Eisenbahn mit. "Spur I", erinnert er sich noch heute.

Die für ihn "ungeheuer wertvollen Geschenke" waren sein "ganzes Glück", gab es damals doch nur selten Spielzeug als Geschenk für ein Kind. Er spielte mit der Eisenbahn viele Jahre, erst als junger Erwachsener mottete er sie im Keller ein. "Erst 1961, als mein Vater sagte, jetzt wird der Keller aufgeräumt, tauchten die Stücke wieder auf". Er verkaufte die Züge samt Hallen und Zubehör an einen Schweizer Sammler "für etwa 200 Mark - das war mein erstes ,Geschäft' in diesem Metier", sagt Schwalm und lächelt. Ansonsten vermeidet er im Zusammenhang mit seinem als teuer bekannten Hobby jede Angabe über Geld. Dass er bis zu einigen Tausend Euro für sehr seltene Stücke ("ich sammle ausschließlich Hersteller Märklin, Spur II") hinlegt, eröffnet sich jedoch bereits beim oberflächlichen Blick auf Händler-Listen, etwa im Internet.

Um Geld geht es Sammlern mit Herzblut, und dazu gehört Schwalm eindeutig, sowieso nicht. Eher ums Bewahren alter, seltener Dinge oder schöner Erinnerungen ans auslösende Moment der Leidenschaft: "Das war 1979, in Paris auf einem Flohmarkt." In der Stadt der Liebe entdeckte Schwalm beim Anblick alten, handbemalten Eisenbahn-Spielzeugs seine alte Affinität zu Blech- und Holzeisenbahnen aufs Neue. "Es war wohl die Erinnerung an das wenige, kostbare Spielzeug meiner Jugend". Er verfiel erneut dem besonderen Charme des alten Blechspielzeugs, den vielen Details, "den ganz besonderen, per Hand aufgetragenen Farben", deren Patina Sammler so schätzen.

In den letzten 25 Jahren hat Schwalm für sein Hobby zahlreiche Reisen unternommen; meist ins europäische Ausland, aber immer wieder auch nach Übersee. Die Objekte seiner Leidenschaft - Züge, Wagen, Loks, Bahnhofshallen und Zubehör aller Art - findet er auf Messen, Flohmärkten, in Geschäften, auf Auktionen oder bei anderen Sammlern. Ausländische Sammler seien "noch viel verrückter nach altem Spielzeug aus Deutschland" als deutsche.

Anfangs machte der Frankfurter, der seit rund drei Jahren in Bad Homburg lebt, den "typischen Anfängerfehler", sammelte "querbeet, dieses und jenes". Doch schnell bemerkte er, dass es "sinnvoller ist, sich erst Literatur und genaue Informationen zu beschaffen, um sich dann zu spezialisieren, etwa auf einen Hersteller und eine Spurbreite". Viele seiner Sammlerkollegen registrierten die erste Ausstellung der Sammlung Schwalm - "ja, das ist tatsächlich eine Premiere für mich" - mit Erstaunen. Warum? "Viele sind einfach sehr scheu, möchten sich nicht in den Vordergrund drängen. Zudem sind die meisten Sammlerstücke doch sehr kostbar".

Dass er seine mehr als 100 Exponate seit einiger Zeit im Schloss Hanau-Wilhelmsbad ausstellt und damit ein "sehr großes Publikum anlockt", freut Martin Hoppe, Leiter des Hessischen Puppenmuseums an der Parkpromenade. Er hat die Schau vor allem dem Umstand zu verdanken, dass Rainer Schwalm die Schlossanlage in Hanau-Wilhelmsbad so liebt, weil sie in seiner Frankfurter Jugendzeit "Ort der ersten Sonntagsausflüge als Kind war". Vom "weltweit einmaligen Holzpferde-Karussell" im Park, das trotz eines Fördervereins seinem Verfall entgegendämmert, schwärmt er heute noch. Schwalm lernte den Museumsleiter Hoppe vor dreieinhalb Jahren zufällig bei einer Sonderausstellung in Thüringen über gedruckte Musterbücher kennen. Er lud den Museumsleiter bald zu sich ein, zeigte ihm die Sammlung und freute sich, dass der Experte angesichts der hohen Qualität der Stücke dann doch "ein wenig beeindruckt" war.

Im Dezember letzten Jahres stand es dann fest: Hoppe wollte unbedingt die Schwalm'sche Sammlung für seine Sonderausstellung, Schwalm sagte trotz seines Hangs zum Understatement nach "einiger Überlegung" zu: "Schloss Wilhelmsbad und vor allem das Hessische Puppenmuseum sind es wert." Bei aller Sammelleidenschaft pflegt der zurückhaltende Bad Homburger, der auch moderne Malerei durchaus zu schätzen weiß, noch andere Interessen: "Eine Manie ist das wirklich nicht." Und seine beiden erwachsenen Söhne hat er damit auch nicht angesteckt.

• Im Porträt
Rainer Schwalm sammelt seit einem Vierteljahrhundert Züge, Wagen, Loks, Bahnhofshallen und Eisenbahnzubehör aller Art. Noch bis zum 29. Juni zeigt der Bad Homburger Architekt im Hessischen Puppenmuseum im Schloss Wilhelmsbad in Hanau seine schönsten Stücke – mehr als 100 Exponate frühen Holz- und Blechspielzeugs. „Man muss bereit sein, etwas zu investieren“, sagt er über sein nicht ganz billiges Hobby. Mehr Worte über Geld verliert der zurückhaltende Sammler nicht. ute

 

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Copyright © Frankfurter Rundschau 2003
Dokument erstellt am 24.04.2003 um 00:08:19 Uhr
Erscheinungsdatum 24.04.2003

 

Frankfurter Rundschau 24.04.2003 Ein Fest für Eisenbahnfans


Öffnungszeiten: Di - So, jeweils 10-12 und 14-17 Uhr


Hessisches Puppenmuseum, Parkpromenade 4, 63454 Hanau-Wilhelmsbad, Tel. 06181 / 86212, Fax 06181 / 840076, e-mail: hesspuppenmuseum@aol.com



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