Hessisches Puppenmuseum
Aktuell Veranstaltungen Monatsplan Archiv Veröffentlichungen Links Von A bis Z Galerie


Schlange, Panther, Vogel, Pferd - mechanische Spielfiguren von Hans Happ (16. Mai bis 25. Juli 2004)


Frankfurter Rundschau 25.05.2004


Meister des 17. Jahrhunderts als Vorbild

Puppenmuseum zeigt Holzspielzeug von Hans Happ / Künstler vor allem von Tieren beeindruckt

VON DETLEF SUNDERMANN

Hanau · 25. Mai · Holzspielzeug von Hans Happ zeigt derzeit das Hessische Puppenmuseum Wilhelmsbad in seiner aktuellen Sonderausstellung. Fast alles, was der Maler produzierte, war ein Unikat oder ging über eine Stückzahl von zehn nicht hinaus. Nur das mit einer ausgeklügelten Mechanik ausgestattete Pferd, das beim Ziehen sich im Vier-Takt in Bewegung setzte, fand den Weg in die Massenproduktion. Pferde haben es dem 1899 in Kempten, Allgäu, geboren Happ schon sehr früh angetan. "Als Kind zeichnete ich fast ausschließlich Pferde. Das war das, was mich am meisten interessierte", heißt es in seinen Lebenserinnerungen. Kein Wunder, wohnte er doch mit den Eltern in München in unmittelbarer Nachbarschaft zu einer Posthalterei, "wo alle Pferde ein- und ausgeschirrt wurden".

Hans Happ studierte Zeichnen und Malere in München an der Akademie der Bildenden Künste. In seinem Stil orientierte er sich vor allem an den Meistern des 17. Jahrhunderts. Portraits bis Monumentales im konventionellen Stil prägten seine künstlerische Tätigkeit. Überragenden Ruhm errang er damit offenbar trotz der angeblich hohen technischen Qualität und einiger Ausstellungen nicht. "Ich war nie ein Revolutionär, wollte den Beschauer auch nicht aufrütteln oder gar schocken oder erziehen", beschrieb der 1992 in Dreieich-Buchschlag verstorbene Happ sein Tun, das er darin geleitet sah: "Ich wollte einfach Wirkung ausstrahlen oder eine echte Feierlichkeit verbreiten (...)".

Neben der Malerei war Happ bereits früh der Bastelei zugetan. Als 1944 seine Frankfurter Wohnung samt Atelier ausgebombt wurde, zog es ihn mit seiner künftigen Frau Annemarie Gildemeister, die ebenfalls wie er seinerzeit Dozent am Städel war, nach Schlitz. Dort kommt ihm die Idee zu einer Holzwerkstatt, um "kleinere bewegliche Tierfiguren" zu produzieren, die er zuvor nur nebenher für sich und Bekannte bastelte. Zwar wurde es nichts aus der Manufaktur, aber es entstanden viele bewegliche Figuren, hinter deren Konstruktionen ein wahrer Tüftler steckte. Happ hierzu in seinen Lebenserinnerungen: "Manche meiner Sachen liegen doch recht kniffelige Dinge zugrunde, aber mit solchen Dingen befasste ich mich schon immer sehr gern. So wie andere Kreuzworträtsel lösen (...)".

Komplexe Mechanik

Beim Blick auf die Exponate lässt sich komplexe Mechanik erahnen. Das gehende Pferd etwa, das die Firma Hausser in ihr Programm als Plastikversion aufnahm, ist in all seinen Einzelteilen zu sehen. Auf die Konstruktion der Holzvögel, die beim Zug an einer Leine scheinbar von ihrem Sitzplatz abfliegen, erhielt Happ sogar einen Patentschutz.

Gleich ob Pferd, Drachen oder Vögel - Happ erweist sich nicht nur in der äußeren Darstellung der Tiere als guter Beobachter, sondern ebenso in der Reproduktion eines authentischen Bewegungsablaufens, was die Holzarbeiten besonders reizvoll macht. Hierzu trägt nicht zuletzt der schalkhafte Charme mancher Figur bei - sie aus Holz, Metall oder Papier, wie beispielsweise das Holzduo Panther und Packesel als Salz- und Zuckermühle oder der komplett aus starkem Papier gefertigte "Trinker", der mit Pulle und Glas in der Hand zwar heftig hin und her schwanken kann und dennoch nicht von seiner Pappschachtel stürzt. Zu den Exponaten zählen auch kunstvoll gefaltete Papiertiere und bewegliche Bilder, bei denen bei Zug an einer Lasche die Person eine Aktion ausübt, wie Auto wienern, Knödel mampfen oder den Kleiderschrankinhalt präsentieren. Es sind Bilder, die mit Happs Zeichen- und Basteltalent gepaart sind.

"Schlange, Panther Vogel, Pferd", Mechanische Spielzeuge von Hans Happ, Hessisches Puppenmuseum Wilhelmsbad. Die Sonderausstellung ist von dienstags bis sonntags von 10 bis 12 Uhr und von 14 bis 17 Uhr bis zum 25. Juli zu sehen.

 


Copyright © Frankfurter Rundschau 2004 online

 


Öffnungszeiten: Di - So, jeweils 10-12 und 14-17 Uhr


Hessisches Puppenmuseum, Parkpromenade 4, 63454 Hanau-Wilhelmsbad, Tel. 06181 / 86212, Fax 06181 / 840076, e-mail: hesspuppenmuseum@aol.com



Zurück zur Presseseite