Hessisches Puppenmuseum
Aktuell Veranstaltungen Monatsplan Archiv Veröffentlichungen Links Von A bis Z Galerie


Der kleine König der großen Tiere (2. Februar bis 30. März 2003)


Frankfurter Rundschau Zeitung 31.01.2003


Als Karl das Kamel seinen Karriereknick hatte

Seit vielen Jahren aus der FR nicht mehr wegzudenken - Tom Breitenfeldts Kleiner König ist zu Gast in Hanau

Von Pamela Dörhöfer

Ein Kleiner König steckt manchmal in jedem. Da findest du eine Idee richtig klasse, am Ende aber löst sich alles in Nichts auf - und bist anschließend eingeschnappt wegen deines Scheiterns, das aus der Summe ähnlicher Erfahrungen eigentlich vorhersehbar gewesen wäre... Dem Löwen geht's nicht anders als den Menschen: Immer wieder aufs Neue versucht er sein Glück, jeden Samstag vergnüglich zu erleben auf der Kinderseite der Frankfurter Rundschau, wo der Comicstrip "Der kleine König der großen Tiere" von Tom Breitenfeldt seit mehr als elf Jahren seinen festen Platz und viele Fans hat; nicht nur unter den kleinen Lesern.

Die Eigenschaft, gerne ein bisschen frustriert und beleidigt zu sein, gehört seit jeher zu den Grundzügen des kleinen Königs. Sie ist ihm quasi in die Wiege gelegt worden von Papa Breitenfeldt, der seinem tierischen Baby 1991 seine eigene (damalige) Befindlichkeit vermachte, entsprungen aus dem Gefühl, abgelehnt worden zu sein (was er heute souverän zugeben kann). Denn gerade war Karl das Kamel beim Stern abgeblitzt, obwohl der Strip eigentlich schon fest gebucht war. Doch der Golfkrieg brachte die Träume vom Starruhm im "Sternchen" zum Platzen. Die erheiternden Abenteuer eines Kamels und die Kämpfe in der Wüste - das schien der Redaktion doch etwas unpassend.

So musste Karl, der immerhin schon eine glänzende Karriere bei der Jugendzeitschrift Klick hingelegt hatte, sterben. Ein Trost: Ein Teil von ihm durfte weiterleben im Kumpel des kleinen Königs, dem schlaksigen Stelzevogel, der die Karl'sche Physiognomie samt Glubschaugen und Knubbel auf dem Schädel geerbt hat; und manche Schrulle dazu.

Über Klick kam auch der Kontakt zur Frankfurter Rundschau zustande, der Tom Breitenfeldt den Kleinen König zunächst schwarzweiß im klassischen Format des Zeitungsstrips lieferte. Auf der Kinderseite und später im Magazinchen bekam das gekrönte Kerlchen Gelegenheit, sich zu entfalten; wobei die äußeren Veränderungen deutlicher ausfallen als die des Charakters: Der Kopf ward mächtiger im Verhältnis zum Körper (was aber durchaus nicht symbolisch als ein Wachsen der Geistesgröße zu verstehen ist) und außerdem eckiger. Der Gesichtsausdruck wirkt jetzt zuweilen grimmiger (soweit möglich ) und manchmal auch ein wenig dämlich; das ist allerliebst und wird begünstigt durch ein stetiges Schrumpfen der Stirn über die Jahre.

Der Kleine König lebt irgendwo in Äquatornähe, in einer undefinierbaren Urwald- oder Steppenlandschaft, die Tom Breitenfeldt bewusst offen gehalten hat, um sich Spielraum für die unterschiedlichen Szenerien zu lassen. Fest umrissen sind dagegen die wichtigsten Bewohner dieses Mini-Universums. Da gibt es neben dem kleinen König, der vergeblich um Anerkennung ringt, noch den viel größeren Stelzevogel, rosa wie gerupft, ebenfalls nicht immer nur helle. Gerne sieht er sich in der Rolle des glamourösen Entertainers auf der Bühne; leider enden seine Auftritte meistens peinlich... Sein Untermieter im Baum ist der ewig qualmende Bär, das personifizierte Phlegma, während die fiese Hummel eher durch hyperaktives Summen nervt.

Einen ganz eigenen, subtilen, oft trockenen Humor haben diese Strips und wirken dabei nie bemüht. Tom Breitenfeldt lässt seine Leser nicht spüren, wie viel Zeit und Arbeit er in jede Geschichte investiert: Etwa vier Folgen à fünf Sequenzen plus Titelbild schafft der 44-jährige Oldenburger in einer Woche, mit viel Selbstdisziplin. Oft hilft nur hinsetzen, auf Witz komm raus, "bis man ein Ergebnis hat". Die Bildergeschichten zeichnet Autodidakt Breitenfeldt (bis vor sieben Jahren hat er als Innenarchitekt gearbeitet) mit Tinte auf Papier; jedesmal von Hand. Erst danach werden die Blätter am Computer coloriert.

Die Originalzeichnungen in schwarz-weiß sind von Sonntag an im Hessischen Puppenmuseum in Hanau-Wilhelmsbad ausgestellt. Zu sehen sind Kleine Könige und Konsorten aus allen Schaffensphasen seit 1991. Die Schau dokumentiert so anschaulich die Entwicklung der Protagonisten, vor allem die optische. Für ihren Schöpfer teilweise nur schwer zu ertragen: Gar nicht anschauen mag er sich die ersten Gehversuche des kleinen Königs. "Heute erschrecke ich, wie er mal aussah", sagt Tom Breitenfeldt und legt ein Exemplar aus jenen Zeiten ganz schnell beiseite. Doch auch die frühen Arbeiten müssen an die Wand, da kennt Martin Hoppe, Leiter des Puppenmuseums, keine Gnade - in der sicheren Gewissheit, dass die Besucher sie lieben werden.

Übrigens: Die Ausstellung mit rund 70 Exponaten präsentiert noch andere Cartoons und Comics von Tom Breitenfeldt. Er arbeitet nämlich nicht nur für die FR, sondern auch für Werbeagenturen und Verlage - und illustriert dann so nützliche Sachen wie Zahnprophylaxe für Jugendliche oder ein Kinderquiz über Dinosaurier.

• Hanau-Wilhelmsbad, Hessisches Puppenmuseum an der Parkpromenade 4. Die Ausstellung eröffnet am Sonntag, 2. Februar, um 15 Uhr. Tom Breitenfeldt ist bei der Vernissage anwesend. Die Öffnungszeiten sind dienstags bis sonntags von 10 bis 12 Uhr und von 14 bis 17 Uhr. Zu sehen bis zum 30. März.

 

[ document info ]
Copyright © Frankfurter Rundschau 2003
Dokument erstellt am 30.01.2002 um 17:28:21 Uhr
Erscheinungsdatum 31.01.2002

 


Öffnungszeiten: Di - So, jeweils 10-12 und 14-17 Uhr


Hessisches Puppenmuseum, Parkpromenade 4, 63454 Hanau-Wilhelmsbad, Tel. 06181 / 86212, Fax 06181 / 840076, e-mail: hesspuppenmuseum@aol.com



Zurück zur Presseseite