Hessisches Puppenmuseum
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"Melchiors Michel und seine Reise in die heutige Zeit"

Leihgaben von: Höchster Porzellan-Manufaktur GmbH, Landesmuseum Mainz, Stadtmuseum Ratingen, Städtisches Schloßmuseum Aschaffenburg, Historisches Museum der Stadt Frankfurt/Main, Privatsammler

(4. Juni bis 30. Juli 2000)

Die Sonderausstellung präsentiert rd. 50 historische und aktuelle Puppen- und Kinderservice, Tafelaufsätze, Porzellanfiguren und -gruppen aus Höchster, Passauer und Dammer Produktion.

Viele der Stücke stammen von oder gehen zurück auf Modellmeister und Hofbildhauer Johann Peter Melchior (1747-1825), der nach seiner Zeit in Höchst auch in den renommierten Porzellan-Manufakturen von Frankenthal und Nymphenburg tätig war. Zu seinen wohl bekanntesten Werken zählt die zwölf Knaben umfassende "Türkenkapelle". Michel, die Titelfigur der Schau, entstand um 1775 als "Knabe mit Vogelnest im Arm".

Ursprünglich dienten die farbig staffierten, weiß glasierten oder als Biskuitausformungen gearbeiteten, kostbaren Kleinplastiken als Tafelschmuck dem Amüsement adeliger Gesellschaften, sollten während Speis´ und Trank die Konversation anregen, aber auch belehrend wirken. Aus den Schauessen des Barock, in denen Tafeln der Könige und Fürsten mit aufwendigen Zierwerken aus Tragant und Zucker besetzt wurden, hatte sich im 18. Jahrhundert der Brauch entwickelt, zum Dessert Porzellanfiguren auf den festlich gedeckten Tisch zu setzen: neben Kannen, Gießer, Zuckerdose, Tassen, Untertassen, Teller und Konfektkorb zählten zarte, je nach Anlass thematisch ausgewählte Porzellanfiguren, wie etwa Melchiors "Schlummer der Schäferin" und ein Dutzend Kinderfiguren zur Tischinszenierung. Nach einem Konzertabend "spielten" Musikantenfiguren "auf".

Heute veranschaulichen sie eindrucksvoll Stilgeschichte, Esskultur, Mode und Kinderspiel des ausklingenden 18. Jahrhunderts.

In den Werken Melchiors manifestiert sich dabei ein neues Menschenbild - nicht mehr klassisch höfisch, sondern der Empfindsamkeit, der Sinnlichkeit, der eigentlichen Natur des Menschen zugewandt. Melchiors Schaffen markiert den Bruch mit dem Absolutismus und wird vom Geist der Aufklärung Rousseaus getragen, der auf Freiheit, Individualität und Verantwortung beruht - dem Fundament einer modernen Gesellschaft.

Durch die Figuren können wir uns aber auch in die Entstehungs- und Blütezeit Wilhelmsbads vor über 200 Jahren zurückversetzt fühlen - der die Kurpromenade umgebende englische Landschaftspark wurde nach Hirschfeld als "Garten der Empfindsamkeit" gestaltet.

Modelle und Arbeitsformen vermitteln zudem Einblicke in die aktuelle Produktion der Höchster Porzellan-Manufaktur GmbH.

So spannt sich der Bogen vom "Michel" des Jahres 1775 bis in die Gegenwart: Melchiors Modelle und Formen wurden in drei Jahrhunderten von unterschiedlichsten Firmen aufgegriffen, haben Künstler, Sammler und Autoren gleichermaßen beschäftigt und fasziniert.

Der "Knabe mit Vogelnest im Arm" ist kürzlich sogar als Käthe Kruse-Puppe erschienen und kann während der Ausstellung von Kindern aus Fimo oder Ton nachmodelliert werden.

Öffnungszeiten: Di - So, jeweils 10-12 und 14-17 Uhr

Hessisches Puppenmuseum, Parkpromenade 4, 63454 Hanau-Wilhelmsbad, Tel. 06181 / 86212, Fax 06181 / 840076, e-mail: hesspuppenmuseum@aol.com



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