Hessisches
Puppenmuseum
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Durch Kinderaugen
Feder- und Pastellzeichnungen von Isolde Nagel / Rodenbach
(23. Mai bis 29. Juni 2003)

Eröffnung: Freitag, 23. Mai, 18.30 Uhr
Isolde Nagel aus Rodenbach präsentiert im Hessischen Puppenmuseum Feder-, Pastell- und Farbstiftzeichnungen. Auch einige Schmückstücke der Künstlerin sind zu sehen.
Zur Vernissage spricht der Großauheimer Galerist Yochen Schwarz (Galerie Neunauge). Persönliche Gesprächstermine mit Isolde Nagel können vereinbart werden unter Tel. 06184-54652 Am Samstag, 14. Juni 2003, ist die Künstlerin von 14.00 bis 17.00 Uhr anwesend und läßt sich bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen.
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"Durch Kinderaugen", der Titel einer Ausstellung von Feder - und Pastellzeichnungen der Künstlerin Isolde Nagel, ist gleichermaßen irreführend wie programmatisch. Diese scheinbar widersprüchliche Aussage bedarf der genaueren Betrachtung und führt in einem weitgespannten Bogen vom Bildmotiv Puppe in Nagels Arbeiten über den Ausstellungsort Puppenmuseum und seinen Exponaten hin zur Puppe als vielschichtigem Bedeutungsträger. Die Welt nochmals durch Kinderaugen zu sehen bleibt uns für immer verschlossen und unsere Erinnerung, so enthusiastisch wir sie auch feiern mögen, wird immer nur der blasse Abglanz eines verlorenen und nicht wieder zu gewinnenden Reichs darstellen. Die Puppe jedoch ist von jeher mehr als der Gefährte der Kindheit, sie war, ist und wird immer auch das mit Magie geladene Objekt unserer Projektionen wie unserer Introspektionen sein. In vielen Kulturkreisen nimmt sie bis heute ganz selbstverständlich diesen Platz im alltäglichen Leben ein, ob als Vodoopuppe, Hausgeist oder Seelensitz der Ahnen. In der Kunst des Abendlandes nimmt sie ebenso tiefenpsychologische Funktionen wahr. Von E.T.A. Hoffmanns Olympia und dem Automatenmenschen über Kokoschkas lebensgroßer Puppe seiner verflossenen Geliebten Alma Mahler, eines Nachts in einem rauschhaften exorzistischen Ritual im Garten verbrannt, bis zu Hans Bellmers Lebenswerk der "Poupee", in der er seine sexuellen Obsessionen immer wieder aufs Neue bearbeitete und so zu den Grundtrieben der menschlichen Existenz vorstieß, immer wieder greifen Künstler zur Puppe als Medium geheimer Kräfte, die im Verborgenen schlummern, aber ungeahnte Energien freisetzen können. Die Kinder - oder Spielpuppe hingegen sollte genau das Gegenteil bewirken. Konzipiert als Mittel zur Einübung sozialer und moralischer Vorstellungen der Erwachsenenwelt, dient sie bis heute der Erhaltung eines gesellschaftlichen Status quo und zielt in ihrer pervertiertesten Ausformung auf das Heranführen des kindlichen Bewusstseins zum unreflektierten Konsumverhalten. Doch halt - die Rechnung wird ohne das Bewusstsein des Kindes und ohne das Eigenleben der Puppe gemacht. Sie sind immer noch da, diese kleinen magischen Momente, die wir alle durchlebt, aber inzwischen unter Aufgeklärtheit und sogenannten Sachzwängen begraben haben. Diese Momente, in denen selbst die dümmlichste Ausformung der Puppe ihre von Anbeginn der Zeit im Verborgenen schlummernden subversiven Kräfte freisetzen und zum beseelten Gegenüber der Kinder wird. Unvergesslich die Augenblicke, in denen die Puppe zum geheimen Komplizen verwandelt der Gesprächspartner und Gefährte eines jeden Kindes wird, mit dem all jene Dinge erlebt und besprochen werden, die man selbst dem jovialsten Erwachsenen niemals anvertrauen würde. Hier taucht sie wieder auf, diese uralte verloren oder überwunden geglaubte Magie und kehrt alle Absichten ins Gegenteil, hilft Urängste bewältigen, denen unser ach so rationaler Geist nicht mehr gewachsen ist und führt alle unsere Vorstellungen ad absurdum. Und genau das ist es, was wir alle auch durch Isolde Nagels künstlerische Arbeiten wieder in unser Bewusstsein bringen müssen. Besteigen wir gemeinsam den Drachen und wenn Ihnen das nicht passt - nun gut, dann zieh ich auf den Schrank. Yochen Schwarz (Galerie Neunauge)
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Öffnungszeiten:
Di - So, jeweils 10-12 und 14-17 Uhr
Hessisches Puppenmuseum, Parkpromenade 4, 63454 Hanau-Wilhelmsbad, Tel. 06181 / 86212, Fax 06181 / 840076, e-mail: hesspuppenmuseum@aol.com |