Hessisches Puppenmuseum
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Masken, Puppen und andere Wesen

Gemälde von Ingrid M. Pilz / Burgstetten
(23. Mai bis 27. Juni 2004)

Am Sonntag, 23. Mai, eröffnet das Hessische Puppenmuseum seine nächste Präsentation in der Galerie des Arkadenbaus Hanau-Wilhelmsbad. Dann stellt bis 27. Juni Ingrid M. Pilz Gemälde zum Thema "Puppen, Masken und andere Wesen" aus. Inspirationen und Vorlagen für ihre Arbeiten findet die in unterschiedlichen Techniken arbeitende Künstlerin, die hauptberuflich analytische Kinder-, Jugendlichen-, Paar- und Familientherapeutin in Burgstetten ist, bei ausgedehnten Weltreisen. Zur Einführung wird der 1. Vorsitzende von INTER ART Stuttgart, Edgar Kuczera, sprechen. An der 4. Hanauer Museumsnacht am 26. Juni beteiligt sich auch Ingrid M. Pilz mit einem Workshop ab 21 Uhr. Um telefonische Anmeldung zu diesem Angebot wird unter Telefon 06181/86212 gebeten.

Eröffnung: 23. Mai 2004, 15.00 Uhr


Zur Ausstellung von Ingrid Pilz am Sonntag, 23. Mai 2004 im Puppenmuseum in Hanau: "Der Mensch machte sie nach seinem Bilde", lautet die Überschrift einer "Kleinen Chronik der Spielpuppe". In dieser Chronik sind nicht nur einzelne Puppen beschrieben und in ihrer jeweiligen Funktion definiert, sondern man erfährt auch etwas über den geschichtlichen Hintergrund, den man bei allen Kulturen in Kultfiguren findet.
Der Künstler, oder besser: der Kunsthandwerker, arbeitet nach Vorgaben z.B. aus der Mythologie, der Religion oder auch der geschichtlichen Tradition der Gesellschaft, in der er lebt. Jeder Funktion ist eine bestimmte Ausdrucksform zugeordnet, sei es durch Formgestaltung, Farbgebung oder auch beides.
Wenn man, wie Ingrid Pilz, durch ferne Länder reist, zudem noch als Malerin, Papier und Zeichenstift immer zur Hand, unterliegt man nicht nur der Faszination des zu Sehenden, sondern man versucht, durch Skizzen das festzuhalten, was die Faszination ausmacht.
Heute und hier im Hessischen Puppenmuseum zeigt uns Ingrid Pilz Bilder aus ihrer Sichtweise von hiesigen Puppen, wie auch von Puppen aus Indonesien und Kambodscha, von denen sie auch einige als Originale mitgebraucht und hier ausgestellt hat. Weiterhin sehen wir von ihr Masken und andere Wesen.
Nun vorab noch einige Worte zur bildenden Kunst im Unterschied zum Kunsthandwerk, obwohl die Grenzen oft fließend sind, so dass auch Kunsthistoriker sich schwer tun, diese Grenzen genau zu definieren.
Eines der grundlegenden Missverständnisse im Zusammenhang mit der Kunst ist deren angebliche Aufgabe, Schönheit herzustellen. Und zwar am besten solcherart Schönheit, die vertraut ist, die nicht befremdet: das heißt, die Natur, das Objekt, soll also abgebildet werden und das möglichst realistisch.
Das ist ein absoluter Widersinn, denn Kunst ist das Gegenteil von Natur - denn wenn etwas nicht natürlich ist, nennt man es künstlich.
Die Aufgabe der Kunst heute kann nicht sein, die Natur abzubilden, also die Imitation von Wirklichkeit bildnerisch festzuhalten, wie im Naturalismus, das ist durch die Fotografie mit weniger Aufwand und besser zu schaffen.
Wenn wir also heute von Kunst sprechen, meinen wir "Freie Kunst", ein Begriff von Kunst, der Mitte des 19. Jahrhunderts entstand.
Er beinhaltet das freie Schaffen und Gestalten des Künstlers mit seinen Mitteln und Sichtweisen. Das in Bild oder Skulptur umzusetzen, was ihn bewegt, fasziniert oder auch problematisiert. Kunst war nie zweckfrei, verfolgte immer ein Ziel, wollte und will immer etwas bewirken. Darum spricht man auch von der Magie des Kunstwerkes, also von der Ausstrahlung auf den Betrachter, die ihn zur Auseinandersetzung mit ihm, dem Kunstwerk, anregt und eigene Assoziationen offen legt.
Was nach Hegel die Kunst an Wirklichkeit anschaulich widergibt, bezieht sich nicht nur auf Wahrnehmungswirklichkeit, sondern beruht auf Analyse, Interpretation bzw. Abstraktion des Vorhandenen." Mit anderen Worten: Sie abstrahiert vom Besonderen auf das Allgemeine, stellt Exemplarisches heraus, wertet, pointiert, verdichtet, bedient sich ausdrucksstarker Kompositionsformen und Symbole, sowohl um ein optimales Maß an Objektivität,als auch an Anschaulichkeit zu erreichen.
Bei Ingrid Pilz erkennt man klar ihren Weg über die Zeichnung und das Aquarell zur Malerei, ihre bevorzugten Malmittel sind Acryl und Pigmente. So wie sie versucht, in Skizzen das sie Beeindruckende festzuhalten, seien es Landschaften - Fassaden - das Detail eines Torbogens, oder wie hier Puppen - Masken - Wesen, sucht sie dann im Nachhinein, manchmal auch vor Ort, das Skizzierte zu analysieren und emotional umzusetzen in abstrahierte figurative Elemente, Formen und Flächen, die sie farblich komponiert.
Auf die Puppen bezogen arbeitet sie formal wie auch farblich das heraus, was sie anspricht und als Aussage zu erkennen glaubt. Dieses trotz Analyse emotionale Umsetzen in Figuration und Farblichkeit zeigt und setzt voraus, neben dem geschulten Auge, ein sicheres Umgehen mit Farbe, Form und Komposition, aus dem heraus Spontanität und Ausdruckskraft ermöglicht wird.
So bleiben dem Betrachter, vielleicht sogar ihr selbst, alle Assoziationen und Interpretationen offen, durch die Sichtbarmachung ihrer Eindrücke im Kontext mit Fantasie und Wirklichkeit. Also, mit anderen Worten, es entstehen keine Abbilder, sondern Reflexionen.
Unter diesen Aspekten erübrigt es sich, auf alle Bilder einzeln einzugehen, denn es wäre nur meine Sichtweise und subjektive Interpretation, die vielleicht Ihre Fantasie beflügelt oder auch einschränkt.
Auf zwei Darstellungen von Puppen, die mich in ganz besonderer Weise fasziniert haben, möchte ich Sie, meine Damen und Herren, hinweisen.
Es sind die zwei Puppen auf der Einladungskarte, indonesische Puppen, die als Originale wie auch als Bilder hier ausgestellt sind.
Es ist einmal der mehr in schwarz dargestellte böse Gott Ravana und die gelb-rot-weiß dargestellte Göttin Sita, die von Ravana geraubt werden soll. Beide Körper sind nur durch ihre Konturen, also nebensächlich zu erahnen, was ihnen Ausdruck verleiht, sind ihre leicht stilisierten Gesichter und die Augen, wie auch ganz wichtig, die Farben.
Er, aus dem Dunkel kommend, mit großen blauen fordernden Augen und einem imaginären Halsschmuck. Sie, in zarten gelb-rot Tönen, Gesicht und vielleicht der Kopfschmuck weiß pointiert mit kleinen, nur angedeuteten Augen. Sind es Schlüssel die sie hält, um sich einzuschließen, sich vor Raub zu schützen? Oder, und das entspräche mehr meiner Interpretation, sind es Schlüssel, die Türen öffnen bzw. sie schon geöffnet haben, um sich rauben zu lassen?
Betrachten Sie, meine Damen und Herren, die Bilder einmal unter solchen Aspekten, im Gespräch miteinander, und Sie werden überrascht sein, wie unterschiedlich jeder von Ihnen ein Bild sieht und interpretiert. Bilder also von Puppen und anderen Wesen.
Eine ganz andere Art von bildnerischer Gestaltung ist die Monotypie. Sie ist das Spiel mit dem Zufall, allerdings einem gesteuerten Zufall, bei dem man Farben und Auftrag dieser auf Glasscheiben vorgibt. Ein beliebtes Spielfeld vieler Künstler, das auch Ingrid Pilz sich eröffnet und erarbeitet hat.
Hier hat auch der Künstler die Möglichkeit, sich selbst durch das Entstandene überraschen zu lassen, das er dann belässt, oder auch als Anregung für Neues bearbeitet und collagiert.
In dieser Technik sind die hier ausgestellten Masken entstanden, venezianische Masken, die sie als Originale in Ludwigsburg fotografiert bzw. skizziert hat.
Wenn ich vorher von gesteuertem Zufall sprach, so sind an den hier gezeigten Masken die gewollte Steuerung mehr als deutlich zu erkennen, was nur möglich ist, wenn man wie Ingrid Pilz diese Technik in Farbauftrag und Farbgebung beherrscht.
Meine Ausführungen über die hier ausgestellten Arbeiten von Ingrid Pilz sollen und können nur Anregung sein, sich mit diesen auseinanderzusetzen, sie also auf sich wirken zu lassen, um mit ihnen zu kommunizieren. In diesem Sinne möchte ich mit einem Zitat Goethes schließen, das sich auf alle Künste bezieht:
"Die Kunst ist eine Vermittlerin des Unaussprechlichen, darum scheint es eine Torheit, sie wieder durch Worte vermitteln zu wollen; doch indem wir uns darin bemühen, findet sich für den Verstand so mancher Gewinn, der dem ausübenden Vermögen auch wieder zugute kommt."

Edgar Kuczera (1. Vorsitzender von INTER ART Stuttgart)


Frankfurter Allgemeine Zeitung 02.06.2004 Plastische Karikaturen, zweidimensionale Masken

Öffnungszeiten: Di - So, jeweils 10-12 und 14-17 Uhr

Hessisches Puppenmuseum, Parkpromenade 4, 63454 Hanau-Wilhelmsbad, Tel. 06181 / 86212, Fax 06181 / 840076, e-mail: hesspuppenmuseum@aol.com



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