Hessisches
Puppenmuseum
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20 Jahre Hessisches Puppenmuseum (31. August bis 25. Januar 2004)
20. Museumsgeburtstag (31. August 2003)
Von Römerente bis zu "Barbie"
Hanauer Puppenmuseum zwanzig Jahre alt / 5000 Ausstellungsstücke
HANAU - Mit Raritäten lockt das Hanauer Puppenmuseum seit zwanzig Jahren Besucher an. Die ältesten Ausstellungsstücke stammen aus der Römerzeit. Von
Jan Kuhlmann (dpa)
Mädchen und Jungen formen in diesen Räumen ihre Münder zu staunenden "Ahhs" und "Ohhs". Die Gedanken der Erwachsenen schweifen zurück in die Zeiten ihrer Kindheit, als das Leben noch so unbeschwert war wie Ferien auf dem Bauernhof. Das Hessische Puppenmuseum in einer ehemaligen Hanauer Kuranlage ist ein Ort für Fantasie und Träume. Seit 20 Jahren lädt es seine Gäste zu einem Ausflug in die Welt des beliebtesten Spielzeugs aller Zeiten ein.
Japanische Papierpüppchen, englische Holzpuppen, deutsche Käthe-Kruse-Puppen oder französische Biskuitpuppen, die so heißen, weil ihr Porzellan wie ein Biskuit zweimal im Ofen gebrannt wurde - Sammlerstücke in allen Formen und aus aller Welt haben in Hanau einen Platz gefunden. Rund 5000 Puppen gehören zum Bestand des Museums, dazu Puppenhäuser, Puppengeschirr, Puppenkleider und sogar ein mehrstöckiges Puppenkaufhaus. Weil in den Vitrinen nicht genug Platz ist, muss ein Großteil der Sammlung im Magazin unter dem Dachboden lagern. Die ältesten Ausstellungsstücke stammen aus den Zeiten der Griechen und Römer - etwa eine 1800 Jahre alte römische Babypuppe aus Terrakotta mit einem kleinen Bäuchlein und beweglichen Armen. Genauso alt ist die römische "Tigerente", ein Terrakotta-Löwe auf Rädern, der wie sein moderner Nachfahre an einem Band gezogen werden konnte. Sogar Schlümpfe, Pokémons und Playmobil-Figuren hat das Museum gesammelt. "Auch unsere Enkel sollen einmal sehen, mit was wir gespielt haben", sagt Museumsleiter Martin Hoppe. Fast 600 000 Menschen haben das Museum seit 1983 besucht. Seine Gründung hat es einer heute 80 Jahre alten Frau zu verdanken, die Anfang der 70er Jahren plötzlich vor einem Antikladen stehen blieb. Im Schaufenster des Frankfurter Geschäfts schaute Gertrud Rosemann gebannt auf eine Puppe mit rosigen Bäckchen, braunem Haar und Rock. Sie sah genauso aus wie "Elschen", die Puppe ihrer Kindheit, die sie im Zweiten Weltkrieg zu Weihnachten gegen eine Gans eingetauscht hatte. Gertrud Rosemann kaufte die Puppe und hatte ihre Sammelleidschaft entdeckt. Ein paar tausend Stück kamen in den nächsten Jahren zusammen, weil sie die "Lücke in der Sammlung" schließen wollte. Überall saßen die Puppen in ihrer Wohnung - im Wohnzimmer, in der Küche, im Keller, sogar auf der Toilette. Mit Hilfe des Hessischen Museumsverbandes gründete Getrud Rosemann schließlich das Hanauer Museum, das sie bis 1997 selbst leitete. Für sie ist eine Puppe nicht bloß ein Spielzeug. "Eine Puppe ist etwas besonderes", sagte Gertrud Rosemann. "Sie ist ein Stellvertreter des Menschen." So verrät auch jede Puppe etwas über die Zeit, in der sie hergestellt wurde. Das gilt auch für den Star im Hanauer Museum, eine immerjunge blonde Dame mit blauen Augen und langen Beinen: Barbie. Vor rund 40 Jahren machte sie sich auf, die Kinderzimmer dieser Welt zu erobern. Damals noch zeigte sich Barbie züchtig mit einem Rock bis über das Knie und feinen Handschuhen. Zwanzig Jahre später wurden der Rock kürzer, dafür die Haare länger und die Oberweite größer. Barbie hatte sich in den 80er Jahren den wechselnden Idealvorstellungen der Gesellschaft angepasst. Wie die westliche Kultur sich in vergangenen Jahrhunderten die Rolle der Frau vorstellte, macht das Museum auch deutlich: In den Vitrinen stehen und sitzen Frauen beim Kochen, Backen, Bügeln, Waschen und Nähen. Fast schon revolutionär war ein Puppenpärchen, das in den 70er Jahren auf den Markt kam: Papa hütet das Kind und Mama trägt Hose statt Rock.
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