![]() |
||
![]() |
2010 im Hessischen Puppenmuseum Gemeinsam - Puppen für Integration und Vielfalt
Sonderausstellung: 07. Februar bis 18. April 2010 |
![]() |
|
Sonderausstellungen aktualisiert: 13. Februar 2010 |
Sind
Puppen wirklich unschuldige Gefährten der Kindertage?
Das Hessische Puppenmuseum, Hanau-Wilhelmsbad, stellt in seiner neuen Sonderausstellung diese provokante Frage. Auffällig ist: Dunkelhäutige Puppen sind selten, obwohl dunkelhäutige Kinder heute zu unserer gesellschaftlichen Normalität gehören. Welche Folgen das für die Entwicklung des Selbstbildes dunkelhäutiger Kinder hat, ist noch unerforscht. Erste pädagogische Untersuchungen in diesem Bereich weisen darauf hin, dass die Begegnung mit einer dominant hellhäutigen Puppenwelt den Kindern ins Bewusstsein bringt, dass sie selbst eine dunklere Haut haben. Diese Kinder müssen dann bei ihrer Identitätsbildung die Botschaft verarbeiten, „auffällig“, „nicht normal“, „nicht so schön“ oder „nicht richtig“ zu sein. Für hellhäutige Kinder ist die Begegnung mit dunkelhäutigen Puppen wohl nicht in ähnlicher Weise belastend oder ein Angriff auf ihr Selbstwertgefühl, im Gegenteil: Die Wahrnehmung, dass kaum Puppen dunkle Haut haben, kann sie in ihrer Erfahrung bestärken, zur dominanten weißen Mehrheit zu gehören, sofern sie auch außerhalb des Spielzimmers dieselben Botschaften erhalten. Die Ausstellung wird ergänzt durch 21 großformatige Fotografien von
Studien zur Rolle des Spielzeugs bei der Bildung von Vorurteilen fehlen. Hier setzt die neue Sonderausstellung ein, indem sie Anstöße liefern möchte, die Puppenwelt auch einmal unter diesem Blickwinkel zu betrachten. Alternative Lebensmodelle – in der Puppenwelt Fehlanzeige. Aber wie soll ein Kind anderen vermitteln, dass es in Ordnung ist, zwei Mütter oder Väter zu haben, wenn die Spielwelt nur Mutter-Vater-Kind-Familien vorsieht? Puppenkinder mit Behinderung haben es zwar auf die Nürnberger Spielzeugmesse geschafft, aber lange noch nicht als Selbstverständlichkeit in die Kinderzimmer und Kindertagesstätten. Kinder und Jugendliche verfügen über ein sich ständig wandelndes und entwickelndes Selbstbild. Bereits im Mutterleib, nimmt der Embryo die ihn umgebenden Sprachmelodien auf. Der Neugeborene erlebt sich selbst und die Zuwendung anderer zuerst über körperliche Empfindungen. Aber bereits ab dem dritten Monat verfügen Kinder über die Fähigkeit, Erwachsene aus ihrer Umgebung zu unterscheiden. Mit etwa einem Jahr beginnen Kinder sich als Teil einer Gruppe, die sich von anderen unterscheidet, zu erleben. Unvertraute Lebewesen und Dinge erregen Furcht – allerdings nicht in der Nähe vertrauter Menschen – dann reagiert ein Kind eher mit Neugier. Es
fehlt in Deutschland bisher an Untersuchungen darüber, wie jüngere
Kinder Abwertungen von Erwachsenen, die sich auf Hautfarbe,
Geschlecht, Behinderungen, Sprache, Religion, Familienmodelle und
Kultur beziehen, in ihre Deutungen von Ereignissen und in ihre
Handlungen integrieren. Alltagsbeobachtungen in Kindergärten weisen
jedoch daraufhin, dass
Kinder die genannten Merkmale in ihre Bewertung anderer Kinder
einbeziehen, beispielsweise indem sie mit dem Merkmal Hautfarbe ihre
Präferenz für Spielpartner und Spielpartnerinnen begründen. Sie
beziehen sich dabei gemäß ihrer Entwicklungsphase auf ein
sichtbares und die Identität konstituierendes
Unterscheidungsmerkmal. Forschungen in USA und Australien beschreiben
die Beobachtung, dass Kleinkinder
phänotypische und
ethnische Unterschiede in ihrer Umwelt nicht nur bereits in sehr
frühen Jahren wahrnehmen; sie setzen diese in ihrer sozialen Praxis
als Ressource aktiv ein, um ihre Interessen durchzusetzen. Die
Wahrnehmung der Merkmale, die bereits früher begonnen
hat, wird im
Kindergartenalter vertieft. Mit zunehmender Fähigkeit sich selbst als eigene Person zu erkennen, werden die eigenen Begrenzungen spürbar. Immer wichtiger wird der Wunsch, akzeptiert zu werden. So werden ab dem zweiten Lebensjahr Vorbilder immer wichtiger. Das Kind beobachtet die Reaktion seiner Vorbilder auf andere Menschen und Dinge. Auch ob die Stellung und Tätigkeit eines Menschen hoch bewertet wird, und was ein Mensch anderen gilt, spüren Kinder schnell. Bsp.: Hellhäutige Männer haben die tollen Jobs und sagen was zu tun ist, Frauen müssen die doofen Arbeiten wie aufräumen machen, … Der Kindergarten ist der öffentliche Raum, in dem manche Kinder erstmals bestimmte Facetten von sozialer Vielfalt erleben. Es zeigt sich, dass die Intensität der Beschäftigung damit davon abhängig ist, welche Aufmerksamkeit der Vielfaltsaspekt erhält und welche Bedeutung die Merkmale für die Identitätsentwicklung haben. Diese ist wiederum häufig damit verknüpft, welchen Status und welche Wertigkeit die betreffende Bezugsgruppe in der Gesellschaft hat. Es ist die jeweilige politische Vergangenheit und Gegenwart mit ihren Diskursen z.B. zur Geschichte des Kolonialismus, der längst nicht abgeschlossen ist sondern andere Formen angenommen hat, und zur „Weißen Vorherrschaft“, die die Bewertungen der Kinder beeinflusst. Die ausgleichende Funktion z.B. des Einsatzes von Persona dolls liegt darin, gesellschaftliche Ungleichheit und Ungleichbehandlung nicht als unabdingbar, natürlich oder unveränderbar erscheinen zu lassen.
|
Aktuelle
Ausstellung: Gemeinsam - Puppen für Integration und Vielfalt Öffnungszeiten: Di.-Fr. 10 bis 12 Uhr und 14 bis 17 Uhr neu: Sa. und So. 10:00 bis 17:00 Uhr durchgehend geöffnet Kommende Sonderausstellungen siehe unter Termine Frühere Sonderausstellungen (bitte dem Link folgen)
|